Warum ein Leitfaden?
Die Idee zu diesem Projekt entstand im Laufe unserer Ausbildung an der HTL für Grafik- und Kommunikationsdesign. Während des Unterrichts wurde wiederholt betont, wie wichtig barrierefreie Gestaltung sei und dass Designer:innen Verantwortung dafür tragen, möglichst viele Menschen mitzudenken und einzubeziehen. Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, dass es im schulischen Alltag kaum konkrete Anleitungen, praxisnahe Beispiele oder klar verständliche Regeln dazu gibt, wie barrierefreies Design tatsächlich umgesetzt werden kann.
Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität hat unser Interesse geweckt. Obwohl Barrierefreiheit regelmäßig thematisiert wurde, fehlte uns ein klarer Zugang: Was bedeutet barrierefreies Design konkret? Welche Regeln gibt es? Welche Auswirkungen hat nicht barrierefreie Gestaltung auf betroffene Personen? Und wie können Designer:innen diese Aspekte sinnvoll in ihre tägliche Arbeit integrieren? Aus dieser Fragestellung heraus begannen wir, uns intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Schnell wurde uns klar, dass nicht nur wir selbst, sondern viele angehende Gestalter:innen mit denselben Unsicherheiten konfrontiert sind. Daraus entstand die Motivation, dieses Defizit aufzugreifen und im Rahmen unserer Diplomarbeit eine praxisnahe Lösung zu entwickeln. Gemeinsam als Team entschieden wir uns, Barrierefreiheit nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern sie gestalterisch, verständlich und anwendungsorientiert aufzubereiten.
Ziel unseres Projekts ist die Entwicklung eines praxisnahen Leitfadens, der Gestalter:innen – insbesondere im deutschsprachigen Raum – einen verständlichen und realistischen Zugang zu barrierefreier Gestaltung ermöglicht. Der Fokus liegt dabei auf Grafik- und Webdesign sowie auf Personen in Ausbildung, die bislang wenig Berührung mit dem Thema hatten. Der Leitfaden soll Barrierefreiheit nicht als zusätzliche Hürde darstellen, sondern als selbstverständlichen Teil guter Gestaltung vermitteln. Ziel ist es, komplexe Inhalte einfach aufzubereiten, klare Handlungsempfehlungen zu geben und Designer:innen dazu zu befähigen, barrierefreie Entscheidungen bewusst und selbstständig zu treffen. Als Endprodukt entsteht ein modular aufgebauter Guide, der sowohl in gedruckter Form als auch digital als Website verfügbar ist. Durch das modulare System kann der Inhalt laufend erweitert, aktualisiert oder ergänzt werden – ein wichtiger Aspekt, da sich gesetzliche Vorgaben, technische Standards und gesellschaftliche Anforderungen stetig weiterentwickeln.
Ein besonderes Merkmal des Projekts ist der gleichwertige Fokus auf digitale und analoge Barrierefreiheit. Während sich viele bestehende Projekte ausschließlich auf Web-Standards konzentrieren, berücksichtigt unser Leitfaden bewusst auch den Printbereich, der im Alltag vieler Gestalter:innen eine ebenso große Rolle spielt.