Wahl der Schriftart

Typografie als Schlüssel zur Verständlichkeit.

 

Die Wahl der Schriftart ist eine der grundlegendsten Entscheidungen in der barrierefreien Gestaltung. Sie beeinflusst maßgeblich, ob Texte schnell erfasst, sicher gelesen und langfristig verstanden werden können. Dabei gelten die grundlegenden Prinzipien guter Leserlichkeit medienübergreifend.

 

Eine gut gewählte Schrift unterstützt das Auge dabei, Buchstaben eindeutig zu erkennen, Wörter als zusammenhängende Einheiten wahrzunehmen und Zeilen ohne Anstrengung zu verfolgen. Dadurch wird Lesen flüssig und weniger ermüdend. Ist die Schrift ungeeignet, wird das Lesen schnell mühsam, selbst dann, wenn der Inhalt klar strukturiert und inhaltlich gut aufbereitet ist.

 

Barrierefreie Typografie bedeutet dabei nicht, auf Gestaltung oder Charakter zu verzichten. Es geht vielmehr darum, Schriftarten zu wählen, die zuverlässig funktionieren und auch unter erschwerten Bedingungen gut lesbar bleiben. Dazu zählen kleine Schriftgrößen, ungünstige Lichtverhältnisse oder eine eingeschränkte Sehkraft. Eine passende Schrift trägt somit wesentlich dazu bei, dass Inhalte für möglichst viele Menschen zugänglich bleiben.

 

Beim Lesen passieren drei Dinge gleichzeitig:

Wir sehen Buchstaben, erkennen sie als bekannte Zeichen und unterscheiden sie voneinander.

 

1. Klare und vertraute Buchstabenformen

Schriften funktionieren besonders gut, wenn ihre Buchstabenformen nah an dem liegen, was wir gewohnt sind. Stark stilisierte, dekorative oder experimentelle Schriften sehen zwar spannend aus, bremsen aber den Lesefluss – vor allem bei längeren Texten.

 

Für Fließtext lieber auf ruhige, klassische Schriftformen setzen. Dekoschriften sind grundsätzlich zu vermeiden.

 

 

2. Unterscheidbarkeit der Zeichen

Ein großes Problem entsteht, wenn Buchstaben sich zu ähnlich sehen. Besonders kritisch sind folgende Kombinationen:

I - i - 1 -l

0 - O - o

p - q

Wenn diese Zeichen kaum unterscheidbar sind, muss das Auge ständig „nachdenken“ – Lesen wird anstrengend.

 

Es sollten Schriften bevorzugt werden, bei denen ähnliche Buchstaben klar unterschiedliche Formen besitzen. (z. B. Eins mit Fuß oder durchgestrichene Null).

 

3. Offenheit von Zeichenformen

Die sogenannten Punzen sind die Innenräume von Buchstaben wie a, e, o, s. Sind diese zu eng oder geschlossen, „laufen“ Buchstaben bei schlechtem Druck, geringer Auflösung oder Blendung schnell zu. Dadurch verlieren einzelne Schriftzeichen ihre charakteristischen Formen und werden kaum mehr von anderen Buchstaben unterscheidbar. Besonders in Fließtexten kann dies den Lesefluss stören, die Konzentration erhöhen und die Zugänglichkeit deutlich verschlechtern.

 

Je offener die Buchstaben, desto stabiler bleibt das Schriftbild.

 

 

 

4. Ausgewogener Strichstärkenkontrast

Ein sehr hoher Kontrast zwischen dicken Grundstrichen und feinen Haarlinien kann die Leserlichkeit stark beeinträchtigen. Solche Schriften wirken oft elegant und hochwertig, verlieren jedoch besonders bei kleiner Darstellung oder ungünstigen Sehbedingungen an Klarheit. Feine Linien werden kaum sichtbar und lassen Buchstaben brüchig erscheinen. Besonders zarte Linien können außerdem im Druck wegbrechen oder kaum sichtbar erscheinen.

 

Für gut lesbare Lesetexte eignen sich Schriftarten mit gleichmäßiger, moderater Strichstärke.